Singapur und meine Vorurteile
Singapur stand schon lange auf meiner „Da will ich unbedingt mal hin“ Liste. Aus Dokus hatte ich folgendes Bild von Singapur im Kopf: sauber, multi-kulti, modern und erfinderisch, vor allem im ökologischen Bereich und viele Wolkenkratzer. Und das Hotel Marina Bay Sands.
Singapur erfüllte dieses Bild auch – irgendwie.
Durch unsere bisherige Reiseroute war Singapur die dritte Großstadt, nach Bangkok und Phnom Penh. Auf diesen Unterschied zwischen Land und Stadt war ich eingestellt, den kannte ich schon. Aber wie sehr Singapur aus dem asiatischen Leben seiner Nachbarn fällt, überraschte mich. Ich hatte zwar davon gelesen, aber es selbst zu erleben ist etwas anderes. Dabei macht es sicher einen Unterschied, ob man direkt von Europa nach Singapur kommt und vorher drei Monate in Südostasien unterwegs war. In beiden Fällen wird Singapur einen unterschiedlichen Eindruck machen.
Also, was wurde nach einem 10-tägigen Besuch aus meinem Bild?
Singapur ist sauber.
Singapur ist sauber. Ganz klar, das stimmt! Aber es ist nicht so makellos, wie manche denken. Im öffentlichen Raum liegt an manchen Stellen Mist oder Zigarettenstummeln herum. Wien kann da in Punkto Sauberkeit schon mithalten, obwohl es natürlich viel kleiner ist. Und auch die anderen Städte auf unserer Reise waren im Stadtkern recht sauber.
Singapur ist multi-kulti.
Hmm, weniger als gedacht. Durch die ganzen Unternehmen arbeiten zwar Menschen aus vielen Nationen im Staat, aber den Großteil der Einwohner machen Chines:innen aus. Auf den Straßen in Burgis, wo wir wohnten, ist erstaunlich wenig los, daher fallen die unterschiedlichen Nationen nicht so auf. Aber ein paar Ecken gibt es, wie China Town und Little India, in denen das Leben pulsiert.
Singapur ist modern.
Ja, auf jeden Fall. Die Skyline mit den Hochhäusern ist beeindruckend und wenn die Sonne scheint funkelt es an vielen Stellen auf den Fassaden, die zum Himmel ragen. In den Straßen begegnet man hin und wieder Robotergefährten. Die Gardens by the Bay vereinen viel Modernes in den Bauwerken.
Was auffällt ist, wie wenig Verkehr herrscht. Durch unsere bisherigen Länder waren wir einiges mehr an Verkehr und Motorräder gewöhnt. Es fahren viele hochwertige, moderne Autos herum. In Singapur ist das Auto ein Statussymbol. Die Anmeldung kostet oft doppelt bis dreimal so viel wie das Fahrzeug selbst.
Singapur ist (ökologisch) erfinderisch.
Ja zum Teil. Gerade in der Gebäudeplanung versucht man Energie zu sparen, auch wenn es nicht so auffällt. Ich habe mir mehr begrünte Gebäude erwartet. Wir konnten auch keine urbane Farm finden, die man besichtigen kann. (Wir fanden nur Gruppenangebote.) Bei den Supertrees fällt die grüne Bauweise natürlich auf, sonst ist sie oft versteckt. Das Marina Bay Sands Luxushotel hat z.B. extra leichte Aufzüge im Einsatz, um Strom zu sparen und eine Solaranlage am Dach. Außerdem ist ein Drittel von Singapur grün, durch Parks und Gärten. Ӧkologisch von der anderen Seite betrachtet, wurde das ganze Viertel in dem das Marina Bay Sands steht, künstlich aufgeschüttet.
Kurzer Einblick in die Geschichte
Ursprünglich war Singapur ein kleines Fischerdorf, das von den malaysischen und chinesischen Einwanderern bewohnt wurde. Der entscheidende Wendepunkt kam im Jahr 1819, als Sir Stamford Raffles Singapur für die britische Ostindien-Kompanie neu entdeckte. Raffles erkannte das strategische Potenzial der Insel als Handelshafen und etablierte Singapur als freien Handelshafen, was zu einem rasanten Anstieg des Handels und der Bevölkerung führte.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Singapur zu einem wichtigen Knotenpunkt im globalen Handel, insbesondere für den Handel mit Gewürzen und Reis. Dies führte zur Einwanderung großer Bevölkerungsgruppen aus China, Indien und anderen Teilen der Welt, die Singapur zu einem multikulturellen Schmelztiegel machten.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Singapur 1942 von Japan besetzt, was zu schweren Entbehrungen führte. Nach dem Krieg kehren die Briten zurück, doch die Forderungen nach Selbstverwaltung wuchsen. 1959 erhielt Singapur die Selbstverwaltung und trat 1965 aus Malaysia aus und wurde unabhängig.
Unter Premierminister Lee Kuan Yew leitete Singapur tiefgreifende wirtschaftliche Reformen ein, die die Stadt zu einem der dynamischsten Wirtschaftszentren der Welt machten. Durch Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Technologie schuf Singapur ein stabiles Land mit hoher Lebensqualität und ist heute als globaler Finanzhub bekannt.
Singapurs Aufstieg in einer Kurz-Doku
Während unseren Recherchen stießen wir auf dieses Video, das knapp 15 Minuten dauert. Es erklärt im Schnelldurchlauf, wie Singapur ein so reicher Stadtstaat wurde und blickt auch hinter die Kulissen.

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