Die Hauptstadt von Kambodscha, Phnom Penh, befindet sich in einem rasanten Aufschwung und einem damit einhergehenden Wandel. Immer mehr moderne Gebäude, zum Teil Wolkenkratzer, verdrängen die alte Bausubstanz. Zugleich gibt es noch viele alte Ecken, die manchmal etwas schäbig wirken und noch auf den Wandel warten. Das macht die Stadt interessant und kontrastreich. Der Verkehr ist stark und größtenteils ungeregelt, funktioniert jedoch trotzdem einwandfrei. Phnom Penh ist kein Touristenhotspot, trotzdem lässt sich hier einiges entdecken. Wir sind mit dem Bus aus Kratie angereist, dieses Mal haben wir so eine Konservendose erwischt, in der jeder recht wenig Platz hatte. Dafür war es günstig.
Wir haben im Pooltop Hotel geschlafen, einem Tipp aus dem Blog Faszination Südostasien und waren sehr zufrieden. Die Lage ist gut, die Zimmer sind sauber, und es gibt einen kleinen Pool sowie eine Bar auf der Dachterrasse. Auf diese Terrasse kommen auch immer wieder Nashornvögel zu Besuch, da sie Futter bekommen. Wir hatten das Glück und haben einmal einen gesehen. In der Umgebung des Hotels finden sich zahlreiche Geschäfte und Lokale.
Geschichte
Phnom Penh hat eine reiche und vielfältige Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich war die Stadt eine kleine Siedlung, die ein Handelszentrum wurde, als die Khmer-Dynastie im 15. Jahrhundert zu wachsen begann. Die Stadt wurde 1431 offiziell als Hauptstadt von Kambodscha etabliert und erlebte im 19. Jahrhundert eine Zeit des Wohlstands, als die Franzosen die Kolonie Französisch-Indochina einrichteten. Diese Periode brachte moderne Infrastruktur, Bildung und Gesundheitsversorgung mit sich und machte Phnom Penh zu einem zentralen Knotenpunkt in der Region.
Die Geschichte Phnom Penhs war jedoch auch von schweren Krisen geprägt. Insbesondere in den 1970er Jahren erlebte die Stadt eine katastrophale Wende, als die Roten Khmer unter Pol Pot die Macht übernahmen und eine brutale Herrschaft einleiteten. Nach dem Sturz der Roten Khmer und dem Ende des Bürgerkriegs in den 1990er erholte sich Phnom Penh langsam, und entwickelte sich zu einer dynamischen Stadt mit einer Mischung aus Tradition und Modernität, während sie ihre traumatische Vergangenheit weiterhin aufarbeitet.
Sehenswürdigkeiten in der Stadt
Promenade und Ausflugsschiffe
Noch am ersten Abend sind wir etwas durch die Stadt spaziert. Sie ist alleine schon durch den Verkehr hektisch und laut. Aber sehr interessant. Wir bekamen einen ersten Eindruck bei unserer Erkundungstour. Gegen Abend kamen wir auch in die Gassen, wo sich das Nachtleben abspielt und die Tanzbars sind. Wir schlenderten durch und blieben dann noch etwas an der Flusspromenade sitzen. Es sind vor allem beim Sonnenuntergang viele Ausflugsschiffe am Mekong unterwegs. In der Nacht leuchtet die Skyline von Phnom Penh, wo kein Hochhaus steht, da wurde mit Lichterketten dekoriert oder es hängt eine beleuchtete Werbung.
Wat Pnom Daun Penh
Am ersten vollen Tag starteten wir unsere Tour mit dem Wat Phnom Daun Penh. Der Tempel liegt auf einem Stadtberg. Die Legende besagt, dass eine Frau namens Penh, die im 14. Jahrhundert lebte, eines Tages einen Baumstamm im Fluss schwimmen sah. Als sie ihn barg, enthielt er Statuen von Buddha. Ihnen zu Ehren schütteten die Bewohner:innen einen Hügel (Phnom) auf und bauten einen Wat, um die Statue zu verehren und sie dort zu bewahren. Diese Handlung führte zur Gründung einer Siedlung, die später zur Stadt Phnom Penh wurde. Der Tempel, Wat Phnom, gilt als das spirituelle Herz der Stadt und ist bis heute ein wichtiger Ort für religiöse Praktiken und kulturelle Feiern.
Er liegt schön zentral in der Stadt und ist umgeben von einem Park mit einer großen funktionierenden Uhr am Rasen.
Wir fanden auch noch einen leichten Geocache in der Nähe.
Central Markt (Phsar Thum Thmei)
Danach fuhren wir zum zentralen Markt der Stadt. Sein kambodschanischer Name bedeutet „Neuer großer Markt“ und er wurde 1937 fertiggestellt. Er ist eine markanter Hallenbau, von der mittigen Halle gehen wie bei einem Stern verschiedene Gänge ab. Es war einmal der 8. größte Kuppelbau der Welt. Die Konstruktion hat viele Fenster im obersten Teil, wodurch das Tageslicht für die Beleuchtung und Belüftung ausreicht. Jeder Gang hat sein Thema, z.B. Fußpflege, Kleidung, Schmuck und natürlich Essen. Bei den Nahrungsmittel faszinierten uns die Fische, die verkauft wurden. Viele waren sehr groß und es gab Muscheln und Meerestiere, die wir noch nie gesehen hatten.
Wir aßen am Markt eine asiatische Suppe und hatten mehr als 10 Gewürze zum Nachwürzen zur Auswahl. Allein schon für das Gebäude sollte man sich den Markt ansehen.
Die etwas andere Stadttour
Am zweiten Tag entdeckten wir bei unseren Recherchen die Phnom Penh Heritage Stadttour und fragten spontan über Whatsapp nach, ob noch zwei Plätze für die Tour in zwei Stunden verfügbar sind. Die Abstimmung verlief problemlos, und wir konnten noch an der Fahrt teilnehmen. Sie startet von der Post und es wird mit einem kleinen Elektrozug gefahren. Im Zug gibt es pro zwei Sitzplätze ein iPad, in dem Bilder Filme und Hintergrundinfos von den Sehenswürdigkeiten gezeigt werden. Die Tour findet nur im Stadtkern statt, aber durch die multimediale Unterstützung sahen wir auch Bilder, wie die – teilweise nicht mehr bestehenden oder nicht mehr zugänglichen – Häuser früher ausgesehen haben. An ein paar Plätzen wie der Kunstuni oder der Bibliothek und dem chinesischen Tempel blieben wir auch stehen und hatten eine kurze Führung durch.
Es war das erste Mal, dass ich an einer iPad-unterstützten Stadtführung teilgenommen habe. Es war wirklich sehr informativ und darf sich gerne auch in anderen Städten verbreiten.
Tuol Sleng (S-21) Gefängnis
Die Zeit der Khmer Rouges
Das Khmer-Rouge-Regime, das von 1975 bis 1979 unter der Führung von Pol Pot an der Macht war, verfolgte das Ziel, Kambodscha in eine kommunistische Agrargesellschaft zu transformieren. Die Organisation war stark hierarchisch und militaristisch strukturiert, wobei die Partei eine zentrale Rolle in allen Aspekten des Lebens spielte. An der Spitze stand Pol Pot als Führer, unterstützt von einer kleinen Gruppe von loyalen Parteifunktionären, die aus ehemaligen Studenten und jungen Revolutionären bestand.
Die Roten Khmer setzten eine brutale Politik der Massenvertreibung in Städten und der Zwangsarbeit auf dem Land um, wobei sie Intellektuelle, städtische Einwohner und ethnische Minderheiten systematisch verfolgten. Schätzungen zufolge starben rund 1,7 Millionen Menschen durch Hunger, Arbeit, Krankheiten und Hinrichtungen während dieser Zeit. Die erzwungene Isolation des Landes führte zu einer völligen Zerstörung von Bildung, Kultur und familiären Strukturen.
Darüber hinaus implementierte das Regime ein Netzwerk von Gefängnissen und Arbeitslagern, darunter das berüchtigte Tuol Sleng (S-21), wo politische Gefangene gefoltert und auf brutalste Weise behandelt wurden. Unter diesem repressiven System gab es auch eine systematische Säuberung von Ethnien und oppositionellen Gruppen, einschließlich Chinesen, Vietnamesen und Khmer, die als Bedrohungen für die Revolution betrachtet wurden. Diese Organisation und die extremen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Kontrolle führten zu einer Atmosphäre des Terrors, in der Vertrauen zwischen Menschen zerstört wurde und Nachbarn einander verraten mussten, um zu überleben.
Die Auswirkungen des Khmer-Rouge-Regimes sind bis heute in Kambodscha spürbar. Die Gesellschaft wurde durch den Verlust von Leben und Wissen stark traumatisiert, während die wirtschaftliche Infrastruktur verwüstet wurde. Nach dem Sturz des Regimes benötigte das Land Jahrzehnte, um sich zu erholen, und viele der Überlebenden kämpfen bis heute mit den psychologischen und sozialen Folgen der Gewalt. Die Suche nach Gerechtigkeit für die Opfer bleibt ein wichtiges Thema, und die Erinnerungen an diese dunkle Zeit sind ein zentraler Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses Kambodschas.
Da für mich die dunklen Seiten der Geschichte ebenso dazu gehören, wenn man eine Stadt oder ein Land kennen will, wie die schönen Seiten, besuchte ich an einem Vormittag das Gefängnis Tuol Sleng, das in der Nähe der berüchtigten Killing Fields liegt.
Für das Gefängnis gibt es einen tollen Audioguide, der viel Infos bietet und auch Zeitzeugen zu Wort kommen lässt. Das Gelände war früher eine Schule mitten in der Stadt, wurde dann das berüchtigte Gefängnis und ist mittlerweile Museum und immer verändert worden. Heute steht in der Mitte steht ein großes Erinnerungs-Denkmal und im Hof wachsen einige große Bäume, wodurch die Gebäude etwas verdeckt sind. Das nimmt dem Ort anfänglich etwas von seinem Schrecken.
Allerdings ändert sich das bald, wenn man durch den Audioguide einen Eindruck bekommt, welche Qualen sich auf dem früher kahlen, staubigen Hof abgespielt haben müssen. Das Museum besteht aus Gebäuden, welche die Zellen beherbergen. Man kann sowohl die Häuser, als auch die Zellen besuchen. Es werden viele Schautafeln mit Infos zum Regime der Roten Khmer ausgestellt und über den Audioguide erfährt man auch vieles.
Das ergreifendste für mich waren aber die tausende Fotos der Gefangenen. Denn jede:r Insasse wurde vor seinem Tod akribisch dokumentiert. Sich vorzustellen, unter den Fotos nach Freunden und Verwandten suchen zu müssen ist grauenvoll.
Am Ende, als ich über den Hof zurück ging, fielen mir noch 2 alte Männer auf. Sie waren zwei der sieben Überlebenden des Gefängnisses und verkauften dort ihre Lebensgeschichte als Buch. Wie muss es für sie wohl sein, täglich an diesen Platz zurückzukommen, der viele schlechte Erinnerungen birgt?
Als ich rausging kam ich noch an einer Schülergruppe vorbei. Ich finde es sehr gut und wichtig, dass sich die folgenden Generationen mit der Geschichte befassen und hoffe, dass wir aus ihr zu lernen versuchen.
Bassac Street – die Ausgehmeile
Am Mittwoch Abend fuhren wir mit dem Tuk-Tuk in die Ausgehmeile der Stadt, in die Bassac Street. Der Grund war, dass wir in den Reiseführern gelesen hatten, dass es an dem Tag Gratisgetränke für Frauen gibt. Dem war zwar nicht so, aber wir waren früh genug dort um die Happy Hour, die meist bis 20h oder 21h ging, nutzen zu können.
Die Straße ist recht kurz, aber für den Autoverkehr gesperrt und gesäumt mit netten Bars und Restaurants. Wir waren eine echt gute Pizza essen, auf einer Terrasse mit Aussicht auf die Wolkenkratzer.
Danach waren wir noch auf ein Getränk in einer Bar mit Livemusik und machten uns dann wieder auf den Weg nach Hause.
Nationalmuseum
Aus dem Reiseführer und von unserer Stadttour wussten wir, dass das Nationalmuseum ein wunderschönes Gebäude ist und es viele der gestohlenen Artefakte aus Angkor enthält. Darum beschlossen wir, wieder mal ins Museum zu gehen.
Der Bau aus rotem Stein ist imposant als Vierkanter und mit wunderschön mit einem grünen Garten im Hof angelegt. Es wurde grundlegend nach den Originalplänen wieder aufgebaut, nachdem es von den Roten Khmer zerstört wurde. Die Gänge im Museum sind luftig und durch viel Tageslicht beleuchtet. Die Artefakte haben genug Platz um wirken zu können. Zu sehen gibt es vorwiegend Steinmmetzkunst aus der Vor-Angkor-, Angkor- und Nach-Angkor-Zeit. Darunter lebensgroße Statuen und viele Buddhaköpfe.
Goldener Tempel
An einem Nachmittag, wir wollten eigentlich zum Palast, redet uns ein Tuk-Tuk Fahrer eine ungeplante Tour ein, die uns gut gefallen hat. Zuerst ging es zum Goldenen Tempel im Nordosten der Stadt. In dem Teil über dem Fluss waren wir noch nicht, daher war schon die Fahrt dorthin interessant.
Der Goldene Tempel ist ein recht neuer Bau, aber er hält was der Name verspricht: fast jede Wand war von goldener Farbe überzogen, dazwischen wurde im modernen Stil die Geschichte Buddhas dargestellt. Alleine für die Farben lohnt es sich, den Tempel zu besuchen.
Affentempel
Nicht weit vom Goldenen Tempel entfernt liegt der Affentempel. Dort kommt fast niemand bis zum Tempel, denn das Highlight sind die Makaken, die davor darauf warten gefüttert zu werden. Bei Straßenständen kann man dafür Nüsse oder getrocknete Erbsen in kleinen Sackerln kaufen. Als wir dort waren, waren es ca. zehn Affen, drei davon noch recht klein. Sie nehmen das Futter vorsichtig aus der Handfläche, aber man muss trotzdem aufpassen, denn sobald sich die Gelegenheit ergibt, stehlen sie auch gleich das ganze Sackerl.
Es war ein lustiger Abschluss von dem Ausflug in eine andere Gegend der Stadt.
Old Market
Für den Palast waren wir schon zu spät, als wir zurück kamen, also planten wir um und besuchten zuerst den Old Markt. Wieder ein lebendiger Ort voller Einheimischer, in den man gut abtauchen kann.
Night Market
Anschließend gingen wir zum Night Market. Wir waren recht früh dran und das viele Stände wurden erst aufgebaut. Also mussten wir leider einen Portweins trinken, um die Zeit zu überbrücken. Als wir auf den Markt zurück kamen waren schon die meisten Stände in Betrieb. Wir schlenderten durch und ließen uns treiben. In der Mitte waren Teppiche ausgelegt und von Essensständen eingerahmt. Dort suchten wir uns einen Platz und aßen ein asiatisches Abendessen in netter Atmosphäre.
Russischer Markt
Gegen Ende unserer Zeit in Phom Penh besuchten wir noch den Russischen Markt. Er wird so genannt, da in den 1970ern ihn russische Techniker, die in Kambodscha arbeiteten, besuchten.
Die Märkte waren bisher generell nicht teuer, vom Kunstmarkt in Luang Prabang mal abgesehen. Aber der Russische Markt war mit Abstand der billigste Markt. Wir verbrachten ein paar Stunden darin und kauften eine Menge an T-Shirts und Souvenirs ein. Die angebotenen Waren sind guter Qualität und wir wollen ohnehin bald ein Paket nach Hause schicken. Um beim Einkaufen nicht zu verhungern, teilten wir uns vorher endlich eines der typischen kambodschanischen Baguettes von einem Strand draußen und später noch Frühlingsrollen im Essensbereich des Marktes.
Königlicher Palast
Als ziemlich letztes in der Stadt besichtigten wir den Königspalast. Er ist eine ruhige Oase in der hektischen Stadt und großzügig gestaltet. Die unterschiedlichen Gebäude sind in einem Park angelegt und zirka die Hälfte ist zugänglich. Der Rest wird von der royalen Familie bewohnt und genutzt. Die kambodschanischen Monarchen haben den Palast seit seiner Errichtung in den 1860er Jahren bewohnt, mit einer Periode der Abwesenheit während der Republik Khmer, des Demokratischen Kampuchea und der Volksrepublik Kampuchea zwischen 1970 und 1993. Verschiedene Monarchen haben den Komplex immer wieder umgestaltet, sodass die meisten der heutigen Gebäude nicht mehr aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Das Areal beherbergt unter anderem den prachtvollen Thronsaal, durch dessen Tore und Fenster man schauen darf. Außerdem den Napoleon-Pavillion, der ein Geschenk Frankreichs war und eher in einer Ecke klebt. Es gibt zwei wunderschöne, weiße Stupas, die reich verziert sind. An einer Palastmauer befinden sich historische Darstellungen von Szenen aus der Geschichte und den Mythen. Es gibt auch ein Modell von Angkor Wat.
Aber berühmt ist die Anlage für die Silberne Pagoda, den Raum in dem der Smaragd-Buddha aufbewahrt wird. Ihren Namen verdankt sie 5.329 silbernen Bodenplatten mit je 1,125 Kilo mit denen sie ausgelegt ist. Leider kann man von dieser Pracht nur ein kleines Stück sehen, da der Rest zum Schutz abgedeckt ist. Und das Eck ist nicht einmal aufpoliert. Aber man kann sich die Pracht gut vorstellen. Fotografieren war leider nicht erlaubt.
Die Palastanlage wird oft mit jener in Bangkok verglichen. Vom Stil her stimmt das sicher, bei der Pracht und dem Prunk kann Phnom Penhs Palast nicht ganz mithalten.

Ich finde es auch toll, Eure Reiseberichte zu lesen. Vieles von dem, was Du schilderst, haben wir auch besucht u erinnert mich an unsere Urlaube in Asien😍🤩.
Das freut mich sehr, genau dafür ist der Blog gedacht.
Und natürlich um Lust aufs Reisen zu machen.
Toll was ihr alles sehen und erleben könnt. Ich lese mit Begeisterung deine Berichte😀
Bei uns alles im grünen Bereich.