Unsere zweite Station in Malaysien war die Stadt Georgetown auf der Insel Penang. Wir flogen von Langkawi dorthin. Mit nur 30 Minuten Flugzeit war das der kürzeste Flug meines Lebens. Wir wohnten im Citadines Connect Georgetown Penang Hotel. Von unserem Hotel aus benötigten wir etwa 15 Minuten, um ins Stadtzentrum zu gehen.
Georgetown ist ein UNESCO Weltkulturerbe, auch wenn man das bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt kaum glauben mag. Im Einzugsgebiet der Stadt leben über 550.000 Menschen, die meisten davon in einfallslosen Hochhäusern. Und diese prägen auch das Stadtbild stark.
Den UNESCO Titel erhielt die Stadt, da sie einst ein wichtiger Handelsplatz an der Straße von Malakka war und aus dieser Zeit noch viele koloniale Gebäude im Zentrum zu finden sind. Der Ort ist absolut multikulturell, was sich in den Bauwerken und in der Bevölkerung widerspiegelt. In unmittelbarer Nachbarschaft zueinander kann man buddhistische Tempel, chinesische Tempel, taoistische Tempel, indische Tempel und Moscheen besuchen, selbst eine katholische Kirche gibt es. Außerdem ist die Innenstadt bekannt für ihre Streetart und Kunstinstallationen, die uns beim Schlendern durch die Gassen immer wieder unterkamen.
Chinesisches Neujahr
Im vorherigen Bericht aus Langkawi habe ich geschrieben, dass wir unter anderem auf Langkawi waren, da wir die Feiern zum Chinesischen Neujahr erleben wollten. Hat damals nicht geklappt, da das Neue Jahr im Familienkreis zu Hause gefeiert wurde.
Um so größer und schöner war die Überraschung, als wir in Georgetown ankamen. Am Abend verwandelte sich die gesamte Innenstadt in eine pulsierende Partyzone und unzählige Menschen feierten das Chinesische Neue Jahr der Schlange. Natürlich waren wir mittendrin, sowas lassen wir uns nicht entgehen!
Mehrere Straßen waren für den Verkehr gesperrt und Streetfood Stände sorgten für die Verpflegung. Dort kostete ich meinen ersten Muskatnuss-Saft, und er war köstlich.
An mehreren Stellen gab es unterschiedliche Vorführungen: Kampfkunst, Kalligrafie (wir durften auch probieren), eine Gruppe hat eine große Fahne mit den Füßen hin und her geworfen und natürlich gab es auch einen Löwentanz. Bei diesem stecken zwei Akrobaten unter dem Löwenkostüm und hauchen ihm Leben ein. Beim Fest tanzten sie auf hohen, kleinen Sockeln – eine Meisterleistung. Begleitet werden sie von Trommlern, die ordentlich Krach machen.
Wir genossen unser erstes asiatisches Festival in vollen Zügen!
Wie sich herausstellte, wird das Neue Jahr ausgiebig, nämlich zwei Wochen lang, gefeiert. In den kommenden Tagen sahen wir immer wieder Löwentänze vor Geschäften (da sie Glück bringen, werden sie gern gebucht). Einmal wurden wir auch unsanft von so einem geweckt, der am Morgen direkt unter unserem Zimmer stattfand.
Was auch zum Chinesischen Neuen Jahr dazugehört, ist, dass böse Geister mit Lärm vertrieben werden. Nach jedem Löwentanz wird daher eine lange Kette mit Böllern gezündet. Spätestens danach waren wir hellwach.
Und als wir glaubten schon alles erlebt zu haben, überraschte uns Georgetown erneut. Am Vorabend unserer Abreise feierten unsere Nachbarn in der Gasse ihr Neues Jahr. Damit auch alle bösen Geister verschwinden, wurden an die 30 Böllerketten hintereinander gezündet, unterbrochen von kleinen Feuerwerken. Und er war nicht der einzige, der feierte, überall in der Stadt hörte man die Explosionen und Feuerwerke.
Zum Abschluss wurde von der Nachbarsfamilie noch ein Haufen bedrucktes Papier mitten auf der Straße aufgeschüttet, ein schöner Altar aus Pappe draufgestellt und das ganze angezündet, damit gedenken sie ihrer Ahnen.
Danke Georgetown: Chinesisches Neujahr 2025 – und wir waren dabei!
Die Jetties von Georgetown: faszinierende Hafensiedlungen
Einer der Gründe, warum Georgetown UNESCO Erbe ist, sind die Jetties beim Hafen. Dabei handelt es sich um kleine Stege, die rechts und links von Häusern gesäumt sind. Die Wege durch sind eng, aber die Häuser selbst gehen weit nach hinten und bieten großen Wohnraum. Bei fast jedem war der vordere Innenbereich durch eine Mauer abgetrennt – dort waren früher wohl die Shops, während hinten der Wohnbereich liegt. So um die 12 Clans oder Großfamilien leben auf einer Jetty. Drei davon gibt es hintereinander. Sie können bis um 22:00 Uhr am Abend besucht werden, danach sind sie den Bewohnern vorbehalten. Ein Besuch nach Sonnenuntergang lohnt sich, da sie teilweise nett beleuchtet sind und man von einem Steg einen Blick auf einen Tempel voller leuchtender Lichterketten hat.
Wenn man bei den Jetties ist, kommt man auch unweigerlich am Affentempel vorbei, mit einer imposanten Statue eines Affengottes vor dem Tempel.
Rikshawfahrt durch die Stadt
Wofür Georgetown auch bekannt ist, sind seine Fahrrad-Rikshaws. Das sind Fahrräder, die vorne eine kleine Bank montiert haben auf der die Gäste sitzen. Wir machten so eine Fahrt mit einem sehr lustigen Fahrer, dessen Rikshaw über einen Lautsprecher gute Musik spielte. In der einstündigen Tour durchs Zentrum brachte er uns unter anderem zu einigen der Streetart Motive und zu den Jetties am Hafen. Es war sehr lustig, denn diese Rikshaws dürfen alles: kurz mal bei einer zweispurigen Straße gegengleich zum Hauptverkehr fahren – warum nicht? Oder einfach alle Autos schneiden, wenn man zur anderen Straßenseite muss – auch kein Problem. Vorrang? – nur was für Anfänger. Es war sehr unterhaltsam (und auch immer sicher, die Autos hier sind diese Rikshaws gewohnt und passen auf.)
Keine Angst vor Schlagen
Am Rand der Stadt, auf dem Weg zum Flughafen, liegt der Snake Temple, der Schlangentempel. Die Legende sagt, dass nach dem Bau des Tempels Schlangen aus dem Urwald kamen und dort Unterschlupf suchten. Die buddhistischen Mönche kümmerten sich um sie und die Schlangen blieben. Klar, dass wir uns das ansahen.
Im Tempel gibt es einen hinteren Bereich mit einem kleinen Garten voller Bäume. Dort haben es sich die Waglers Lanzenottern gemütlich gemacht. Große Schilder warnen davor, sie anzugreifen, da es Giftschlagen sind. Sie weisen auch darauf hin, dass es sich um echte Schlagen handelt. Die Reptilien liegen nämlich regungslos auf der Lauer und bewegen sich kaum. Bei den Bäumen glauben wir sofort dass es echte Schlagen sind. Aber in einem Raum des Temples, wo sie auf einer Dekoration lagen, glaubten wir es erst als der Guide mit einem Zettel hinfuhr und sie sich bewegten. Ich musste echt grinsen, denn als ich das erste Mal das Warnschild sah, dachte ich mir: ja klar sind das echte Schlangen, wozu die Warnung?
In diesem Raum war auch ein Stand bei dem man zwei echte, ungiftige Pythons fürs Foto halten konnte. Ich finde es immer wieder faszinierend eine große Schlange zu berühren, denn sie fühlen sich an wie ein einziger Muskel.
Neben dem buddhistischen Tempel liegt gleich auch ein Hindu Tempel, eine Moschee und eine katholische Kirche. Dieses Multikulti war für mich eines der beeindruckendsten Dinge von Malaysien.
Gruselige Entdeckungen und Spaß
Uns war es schon eine ganze Zeit lang zu heiß, daher machten wir zwei Tage ein Indoor Programm.
Wir besuchten das Ghost Museum, das auf drei Stockwerken unterschiedliche Aberglauben darstellt. Der untere Bereich war den asiatischen Mythen und Monstern gewidmet und ich lernte einiges Neues. Unter anderem gibt es die Vorstellung, dass Dinge auf die man nicht gut aufpasst, zurückkehren und spuken. Da fiel mir doch gleich meine Stirnlampe wieder ein, die auf der Reise verloren ging.
Es gibt auch Piraten, Zombies, Vampire sowie allerlei andere furchteinflößende Gestalten. Und die eine oder andere war ein nettes Fotomotiv.
Danach waren wir in der D`8000 Indoor Minigolfanlage. Die Bahnen sind unterhaltsam gestaltet und waren ganz anders, als die die ich bisher kannte. Bei ein paar konnte man so richtig auf den Ball dreschen, diese Energie hatten wir noch. Eine kurze und kurzweilige, klimatisierte Angelegenheit.
The Top – ein Aussichtsturm mit viel Unterhaltung
Den anderen Indoor Tag verbrachten wir im „The Top“, einem Wolkenkratzer mit großem Indoor Unterhaltungsbereich. Eigentlich wollten wir nur auf den Turm und die Aussicht auf die Stadt genießen. Da das Ticket inklusive Saurierwelt und Aquarium aber fast dasselbe kostete, nahmen wir das.
Die Aussicht vom Turm – der auch wieder eine kleine Glasplattform hat – zeigt deutlich wie viele Menschen in Georgetown leben. Und fast alle davon in Hochhäusern, von denen es eine Menge in der Stadt gibt. Mit einem Wort: außerhalb des Stadtzentrums ist Georgetown echt nicht schön.
Am Turm führt außen auch eine gesicherte Plattform herum, diese haben wir aber ausgelassen.
Das Aquarium ist nett gestaltet und einen Besuch wert. Wir waren schon in vielen, und immer gab es Neues zu entdecken. Dieses Mal waren es für mich Neonfische. Und zwar nicht die Neonfische die wir aus unseren Aquarien kennen, sondern in pink, blau, grün oder gelb leuchtende Fische. Sie wurden ursprünglich für einen wissenschaftlichen Zweck gezüchtet und können mit ihrer Farbe die Wasserqualität anzeigen. Mittlerweile sind sie beliebte Zierfische im asiatischen Raum.
Das Aquarium bot uns noch eine zweite Überraschung: In einem kleinen Eck mit ein paar Reptilienkäfigen konnten wir eine Kornnatter und eine Bartagame halten. Es war unser erstes Mal, dass wir eine Echse auf unserem Arm hielten und ich war fasziniert, wie weich ihr Unterkörper war.
Wie zuerst schon erwähnt, war auch die Saurierwelt dabei. Die Themenwelt ist im Stil von Jurassic Park gestaltet und beherbergt 200 Saurierfiguren. Hätten wir uns jetzt ohne Kombiticket nicht angesehen, aber da es dabei war, spazierten wir kurz durch.
Unsere Tage in Georgetown waren vielfältig und es ist ein ausgezeichneter Ort um in den Mix der Kulturen einzutauchen. Selbst ohne die Neujahrsfeierlichkeiten kann ich einen Besuch dieser Stadt nur wärmstens empfehlen.

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